Akademie

Coaches 2027

Ernst Kovacic

Dirigent + Violine, Coach

Mit Ernst Kovacic und Léo Marillier als Coaches der Violinklasse an der impuls Akademie 2027 trifft ein breites Spektrum an Expertise zusammen. Musikalität, genährt von Leidenschaft, beeindruckender technischer Meisterschaft und Erfahrung nicht nur, aber insbesondere auch im Hinblick auf die neueste Literatur, zeichnet Léo Marillier aus (er ist unter anderem Mitglied des Quatuor Diotima, eines der weltweit gefragtesten Streichquartette). Ernst Kovacic, einer der Gründer von impuls, bringt seinerseits die Erfahrung eines ganzen Lebens als international gefeierter Geiger, Solist und Dirigent, Kurator und Pädagoge ein. Seine Liebe zur Musik kennt keine Grenzen und umfasst alle Epochen, selbstverständlich auch die Neue Musik. Zahlreiche Komponisten, darunter Ernst Krenek, Friedrich Cerha, Nigel Osborne, Heinz-Karl Gruber, Kurt Schwertsik, Ivan Eröd, Georg-Friedrich Haas, Beat Furrer, Django Bates, Johannes-Maria Staud und Clemens Gadenstätter, schrieben Werke für ihn, und auch mit dem Zebra Trio standen nicht nur traditionelles Repertoire am Programm, sondern auch speziell für diese Besetzung beauftragte Werke. Seine Fähigkeit, Musik sprechen zu lassen und ihre Kernbotschaften an die Menschen zu vermitteln, ist nur eine seiner vielfältigen Gaben.

Mit diesen beiden Coaches erhalten die Teilnehmer°innen der Violinklasse die Möglichkeit, auf vielen Ebenen Unterstützung zu erhalten – unter anderem in Bezug auf avancierte Instrumentaltechniken, Fragen der Interpretation und zu musikologischen Themen, bis hin zu Einblicken in die Realitäten des Musikerlebens. In jedem Fall werden die Teilnehmer°innen ermutigt, Stücke vorzuschlagen, an denen sie während der Akademie arbeiten möchten, sowie konkrete Fragen und individuelle Bedürfnisse zu benennen. Neben Einzelunterricht und Coaching von Sololiteratur werden die Teilnehmer°innen auch mit anderen Instrumentalist°innen, und im Rahmen einiger Special Programs auch mit jungen Komponist°innen der Akademie, für Kammermusik zusammengeführt.

 

 

Das Umfeld, in dem ich musikalisch aufwuchs, war reich an Möglichkeiten, das „Anführen” von Ensembles ganz nebenbei zu erlernen: Die Kirchenmusik, das reiche Angebot der florierenden Musikschule, die vielen kleinen öffentlichen und privaten Anlässe, die schnelles Planen, Programmieren und Proben erforderten. Nachdem ich am Beginn des Studiums in Wien zwischen Violine und Orgel einige Zeit geschwankt hatte, entschied ich mich bald ganz für die Violine und war für viele Jahre ein „Geiger”. Doch wer einige Zeit auf einer Orgel Pedal getreten hat, vergisst das auch beim Geige spielen nicht: Besonders bei Bach wirkt die Erfahrung des kontrapunktischen Denkens stark nach. Und wer in der Jugend Chöre und Ensembles geleitet hat, wird auch beim solistischen Spiel mit Orchester nicht aufhören, an alle anderen Stimmen zu denken, die den Solopart umgeben. So war es, ausgehend von den Violinkonzerten Mozarts, durchaus natürlich, bald jenen Teil des Konzertrepertoires, der ohne Dirigenten aufführbar war, von der Sologeige aus zu leiten.

Der nächste Entwicklungsschritt ergab sich aus der Praxis des Konzertlebens: Meine Kenntnis der Partituren überzeugte Orchester, Veranstalter, und man begann, mir ganze Programme anzuvertrauen, zuerst als directing soloist, dann auch als Dirigent. Es gab noch eine andere Quelle, die mein Interesse für Partituren speiste: Ich hatte sehr früh, angeregt durch die „Kulturtage” meiner Heimatstadt Kapfenberg, besondere Neugier auf Neue Musik und studierte Partituren neuer Werke mit Staunen für alle Klangmöglichkeiten und formalen Gegebenheiten. Das erfordert natürlich genaues Schauen und inneres Vorstellen, oft kann man nicht mehr auf schon Gehörtes zurückgreifen. Und schließlich wurden die Dirigent°innen, mit denen ich als Geiger arbeitete, meine geheimen Lehrmeister°innen: selbstverständlich versuchte ich sowohl vorteilhaftes Dirigier- und Probenverhalten in mein Dirigieren zu integrieren als auch offensichtliche Fehler zu vermeiden.
Da ich nach wie vor als Solist und Kammermusiker agiere bemerke ich ein starkes Bedürfnis, als Dirigent – besonders bei großen Orchestern – die Aktivität, die für Kammermusiker°innen und Solist°innen selbstverständlich ist, auch bei Orchestermusiker°innen zu erreichen. Die dazu nötige Motivationskunst zu erlernen, ist nicht nur ständige Herausforderung, sondern auch andauerndes Vergnügen.
Ein frühes Schlüsselerlebnis möchte ich nicht unerwähnt lassen. Als blutjunger Geiger substituierte ich an der Wiener Staatsoper. Karajan studierte den Ring ein. Mit den 1. Violinen arbeitete er wohl eine dreiviertel Stunde lang an der großen Sololinie im 3. Akt Siegfried. Das war ein erleuchtend tiefes Erlebnis für mich. Jede Note, jede Nuance, jede Linie bekam Bedeutung und Ausdruck. Ein Meisterstück musikalischer und dirigentischer Gestaltungsmöglichkeit, dass mich bis heute anregt und leitet!

 

 

Ernst Kovacic wird zwischen 8. und 15. Februar bei impuls anwesend sein.