Akademie
Coaches 2027
Zentrale Themen in Ondřej Adámeks Werk sind:
– die drängende Notwendigkeit von Kommunikation – auch dort, wo sie unmöglich scheint oder an unüberwindbaren Hindernissen scheitert,
– kollektive Schuld,
– unkontrollierbare Menschenmengen und kollektive Hysterie,
– das groteske Spiel, das sich in Warnung oder militarisierte Aggression verwandelt,
– Trauma, Erinnerung und Nostalgie als bewusst inszenierte akustische Illusionen,
– Manipulation und die physische Wirkung des Klangs,
– sowie die Spannung zwischen Mensch und Maschine – eine Dualität, die seine Musik sowohl emotional als auch konzeptuell prägt.
Adámek arbeitet häufig mit authentischem Material – Postkarten, die sein Großvater und seine Urgroßmutter aus Konzentrationslagern schrieben, oder Gesprächsfragmente zwischen Gefangenen und ihren Frauen, auf den Straßen Hamburgs aufgeschnappt. Diese Texte befreit er von ihrer semantischen Funktion und verwandelt sie in rhythmische Fragmente, atembasierte Pulse oder glitchartige Klangstrukturen.
Seine Werke entstehen oft durch Prozesse der Verformung: Was als poetische Figur beginnt, verdichtet sich allmählich zu Überladung, Warnung oder Zusammenbruch. Groteske Gesten kippen in körperliches Unbehagen – als wäre ein Spiel außer Kontrolle geraten.
Er erweitert den Ausdrucksbereich traditioneller Instrumente und Stimmen durch erweiterte Spieltechniken, Mikrointervalle und Atemgeräusche. Dabei sucht er nach maximaler akustischer Energie und einem starken physischen Effekt. Zudem erfindet er neue Instrumente, etwa die Airmachine – ein atemgetriebenes Instrument aus Schläuchen, Ventilen, Handschuhen und Hupen –, das Klänge und visuelles Theater zwischen Komik und Bedrohung hervorbringt.
Die Stimme spielt in Adámeks Musik eine zentrale Rolle – nicht nur als Trägerin von Text, sondern als Instrument des Atems, der Bewegung und der menschlichen Intimität. Gesprochene oder halb gesungene Phrasen, Ausatmungen, Phoneme und Schreie bilden vielschichtige Texturen. Mit seinem Ensemble N.E.S.E.V.E.N. schafft Adámek Werke, in denen Stimme, Gestik und Präsenz vollständig komponiert sind – oft an der Grenze zwischen Konzert und Theater.
Adámeks Kompositionen werden von führenden Orchestern und Ensembles aufgeführt, darunter das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das London Symphony Orchestra, das Orchestre National de France, Klangforum Wien, Ensemble Intercontemporain, Musikfabrik und Ensemble Modern. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Silbernen Löwen der Biennale di Venezia (2023), den Premio Abbiati del Disco (2022), den Grand Prix Tansman, den Prix Georges Enesco sowie den Kompositionspreis der Landeshauptstadt Stuttgart. Seine Werke erscheinen bei Boosey & Hawkes.
Als Pädagoge verbindet Adámek präzises Handwerk – Orchestration, Form, Notation, akustische Struktur – mit Offenheit, Intuition und einem körperlichen Zugang zur Musik. In seinen stimm- und körperbasierten Workshops fördert er die Verbindung von Atem, Körper und Vorstellungskraft. Sein Ziel ist es, junge Komponist°innen dazu zu befähigen, innerlich zu hören, was sie schreiben, es präzise auszudrücken und klar an Interpret°innen, Dirigent°innen und Publikum zu vermitteln. Er unterrichtete unter anderem am Conservatoire de Paris, an der Universität der Künste Berlin, an der Escola Superior de Música de Catalunya sowie in zahlreichen internationalen Akademien und Meisterkursen. Im Rahmen des Wettbewerbs Generace hat er gemeinsam mit der Janáček-Philharmonie Ostrava das Symphonische Labor ins Leben gerufen – einen jährlich stattfindenden Kurs für Orchesterschreiben, der Proben mit einem professionellen Orchester, ein öffentliches Abschlusskonzert sowie einen Kompositionsauftrag für eine neue Orchesterkomposition verbindet.
Ondřej Adámek wird zwischen 8. und 15. Februar bei impuls anwesend sein.