
Manon-Liu Winter, Improvisation
Die Strukturen der Improvisation sind anders, als die der Komposition – wenngleich es auch Zwischenformen gibt. Der große Unterschied liegt darin, dass es möglich ist, während des Spielens, durch das „danach“ Gespielte das „davor“ Gespielte umzudeuten, es in seiner Bedeutung und auch in seinem Gewicht im Nachhinein zu verändern. Das heißt wiederum, dass man bis zur letzten Note die Struktur in der Hand hat, die Architektur geradezu auf den Kopf stellen kann und die Eigenverantwortung als MusikerIn bis zuletzt nicht abgibt.
Da es verschiedene Lebenskonzepte gibt, - etwa die, die sich mehr am Haben und die, die sich mehr am Sein orientieren – gibt es dafür auch das jeweilige Publikum. Wer an Prozessen, an Kommunikation, an Entwicklung interessiert ist, hört gerne improvisierte Musik, wer am Analysieren, am Nachvollziehen und Besitzen, aber auch an abstrakten Strukturen interessiert ist, der sucht die Komposition; und beides, Komposition wie auch Improvisation, gibt es natürlich in allen Komplexitätsstufen, von banal-einfach bis hin zur hohen Kunst. So wäre es sinnvoll, die improvisierte Musik nicht als Ware zu begreifen, sondern als Konzept, als Philosophie, manchmal auch einfach als Lebenslust, sowie als Utopie der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit.
Es kann keine Musikkultur geben, in der nicht beides praktiziert wird.
Es gibt viele Arten und Stilrichtungen von Improvisation. Ich beziehe mich hier auf die freie Improvisation (free improv). free improv ist klanglich der aktuellen Komposition verwandt, das heißt, das Klangmaterial besteht aus dem Frequenzband aller Frequenzen im hörbaren Bereich und schließt Geräuschhaftes mit ein; Zeit wird ebenfalls als Kontinuum verstanden, und so zum Zeitfluss. Die Kompositionen, Experimente wie Erkenntnisse von Stockhausen, Feldman, Cage, Ligeti, Lachenmann usw. sowie die der Elektronischen Szene der letzten Jahrzehnte sind bereits rezipiert und wir können heute damit „spielen“, also improvisieren.
Wer also Lust hat im Rahmen von „impuls“ selbst aktiv zu improvisieren, ist herzlich dazu eingeladen. Es wird ein tägliches Angebot (wer will und Zeit hat, kann dieses auch täglich wahrnehmen, oder aber auch gerne punktuell nutzen), verschiedene Gruppen geben wie auch kollektive Phasen – je nach Zusammensetzung der „impuls-Band“. (Manon-Liu Winter)
Lebe und arbeite in Wien. Konzerttätigkeit in Deutschland, Italien, Großbritannien, Albanien, Tschechien, Ungarn, Frankreich, Norwegen, Polen, Lettland, Slowakei, Schweiz, Spanien, USA, China, Australien, Neuseeland und Österreich. Besonderes Engagement für Neue und experimentelle Musik Solo oder in Ensembles, zahlreiche UA sowie ÖE; Konzerte freier Improvisation mit Musikern wie Audrey Chen, Gene Coleman, George Cremaschi, Isabel Duthoit, Franz Hautzinger, Jon Rose, Clayton Thomas, Christian Wolff, u.v.a. Konzerte im Konzerthaus Wien, u.a. bei Wien Modern, Jeunesse, KlangArten, TonART Bern, turning sounds Warsaw, Komponistenforum Mittersill, Studio Akustische Kunst WDR Köln, Kulturschutzgebiet St. Johann, Kalleidophon Ulrichsberg, Wien-Berlin Festival, Osterfestspiele Innsbruck, BrucknerHaus Linz, Donau Festival, Radiokulturhaus Wien, Fast Forward, MAK-Wien, V:NM Festival Graz, Dampffabrik Bern, Studio del´Arte, Roma, Osterfestspiele Hall in Tirol, Congresscenter Brno, Konfrontationen Nickelsdorf, Nownow Festival Sidney 2007,VitaminS Auckland, NZ, ars electronica Linz 09, HKW Berlin 2009, ACF NY 2010, ISEA-Ruhr 2010, etc. Rundfunkaufnahmen/Fernsehproduktionen/CDs. Universitätsprofessor an der Universität für Musik Wien für Freie Improvisation und für Klavier.
