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September 30th, 2016

18:30

d51

Diehlgasse 51, 1050 Wien

Hausfest

On September 30th, 2016, Klangforum Wien premieres the new composition "Nouveaux Agrments" of young German composer Benjamin Scheuer, who was participant of the impuls Academy 2015, in the context of Hausfest at d51. "Nouveaux Agrments" is a commission of the Ernst Krenek Institute in cooperation with impuls and Klangforum Wien.

 

Klangforum Hausfest Program

 

 

Benjamin Scheuer: Nouveaux Agrments

"Nouveaux Agrments" sind im Rahmen einer Residenz im Ernst Krenek-Institut in Krems und inspiriert durch die Beschftigung mit dem Werk des sterreichisch-amerikanischen Komponisten entstanden. Krenek zeigt in seinen Werken stets eine groe Offenheit fr die Innovationen und Denkweisen seiner Zeit. In seinen Welterfolg, die Jazz-Oper "Jonny spielt auf", integriert er Elemente der zeitgenssischen Popularkultur. Musik darf bei ihm unterhalten. Doch auch die Zwlftontechnik findet in vielen seiner Werke Anwendung. Bedeutend fr mich war auch, dass Krenek sich schon in den 50er-Jahren mit elektronischer Musik beschftigte er arbeitete mit einem eigenen Synthesizer und verwendete Zuspielungen. Trotz der Offenheit fr all das Neue blieb er immer in der Tradition verankert, radikale Wege wie Schnberg, Webern oder spter Stockhausen schlug er nicht wirklich ein. Dieser Widerspruch ist in gewisser Weise charakteristisch fr Kreneks Werk und soll auch die Ausgangsidee fr das Ensemblestck "Nouveaux Agrments" liefern. Hier werden einzelne Elemente historischer Musiziertradition aus einem zeitgenssischem Blickwinkel re-interpretiert. Ausgangspunkt sind dabei, in Anlehnung an den Sptbarock, fiktive Ornamente als eine Art Persiflage auf die franzsischen "agrments".

Die Ornamente waren eine Mglichkeit fr den Interpreten, den vom Komponisten vorgegebenen Notentext zu variieren und unter Einhaltung der Regeln der jeweiligen Stilistik bis zu einem gewissen Grad darber zu improvisieren. Verzierungen bieten auf diese Weise eine besondere Mglichkeit der individuellen Aneignung des Materials: Sie erlauben dem Ausfhrenden, seine Persnlichkeit in eine Komposition einzuschreiben.

Ausgangspunkt fr "Nouveaux Agrments" sind einige lngere Tapes, die aus Improvisationen auf dem Klavier, der Lotosflte und dem japanischen elektronischen Instrument Otamatone entstanden sind. Wir haben es mit groen Blcken von rohem Material zu tun, an denen wir uns wie ein Bildhauer abarbeiten: Es knnen verzierte Linien in sie eingemeielt werden. Oder sie knnen am Stck verwendet und mit anderen Elementen in neue Kontexte arrangiert werden. Verzierungen knnen auch unter die Oberflche injiziert werden und so die Grundraster der Blcke verdrehen. Die "Nouveaux Agrments" wurden in mehreren Schichten komponiert: In jeder neuen berzeichnung wurden Verzierungen hinzugefgt und das Material immer wieder neu belebt. Ein zeitgemes Ornament darf sich dabei nicht nur auf die Vernderung von Melodik und Harmonik beschrnken, sondern es mssen auch andere Parameter bercksichtigt werden: Es gibt "agrments", die einen stabil gehaltenen Ton nervs zum Zittern bringen, die Spieler hyperventilieren lassen, den Klang in eine fahle Richtung umfrben oder mit Schluckauf- und Panikattacken die musikalischen Ablufe stren.

Die Arbeit mit den Verzierungen ist im Grunde ein Gedankenexperiment an einem relativ frhen Zeitpunkt whrend des Entstehungsprozesses des Stcks. An manchen Stellen sind die Auswirkungen der Ornamente klar zu erkennen: wenn einzelne Spieler Tapes doppeln und dabei immer wieder Variationen ergnzen. Die Tapeblcke werden gegen vom Spieler mit Verzierungen belebtes Material gestellt. Das Otamatone-Solo im zweiten Teil des Stcks besteht eigentlich nur aus einem Ablauf von verschiedenen langen Glissandi, die von so vielen Vernderungen durchzogen werden, dass die Linien stndig von absurden Ornamenten unterbrochen werden. An anderen Stellen sind die "agrments" aber so stark in das Material eingraviert, dass sich kaum unterscheiden lsst, welches Element Original und welches Variante ist. Im Endeffekt sind die Verzierungen eine Methode kompositorischen Ideenanstoes ein Mittel zum Zweck. Wenn die Maschinerie erst einmal ins Rollen geraten ist, werden sie als Belebungsmittel weniger gebraucht zum Schluss sind sie dann ganz verschwunden.

 

Benjamin Scheuer